Jerusalem & Passion

Johannes Kerschner: Jerusalem
Leonhard Lechner: Johannespassion

 

Vokalensemble 15.21


ensemble1521.at

Josef Schweighofer, Orgel
Gottfried Mandlburger, Oboe

 

 

Historia der Passion und Leidens
unsers einigen Erlösers und Seligmachers Jesu Christi

Leonhard Lechner (um 1553-1606)

Von Lechners Kompositionen war lange Zeit nur ein kleiner Teil bekannt, seine Bedeutung für die Musikgeschichte in der Vergangenheit daher auch eine eher bescheidene. Noch vor etwa 80 Jahren war nicht geklärt, dass diese Passion aus dem Jahr 1593 von ihm stammt.

Die Johannespassion ist ein Glaubenszeugnis des überzeugten Protestanten und eine gattungsgeschichtliche Besonderheit. Der Evangelientext ist noch nicht, wie wenig später bei Heinrich Schütz, auf verschiedene Einzelsänger und Chor verteilt, sondern komplett als mehrstimmiger Satz durchvertont.

Der Text der Passionsmusik ist trotz der in dem gesungenen Titel gemachten Angabe „aus dem Evangelisten Johanne“ eine Evangelienharmonie. Lechner verwendet also auch Passagen der anderen drei Evangelisten. Ausgelassen ist alles, was nicht unmittelbar zur Leidensgeschichte gehört oder zu ihrem Verständnis notwendig ist. Ergänzt wurde dagegen, was für die Gemeinde untrennbar zur Passion gehört: so in erster Linie die „sieben Worte am Kreuze“, bei denen die beiden letzten vertauscht sind. Ausgelassen sind auch alle geschichtlichen Angaben, stattdessen wird die menschlich packende Szene der Verspottung Christi am Kreuze eingefügt.

Dem Tonsatz liegt der alte Passionston zugrunde, ein Lektionston ähnlich dem der Evangelienlesung. Allerdings lässt Lechner ihn einmal in dieser, ein andermal in jener Stimme erscheinen. Verlässt er den Passionston, nutzt er die musikalischen Figuren, um Personen oder Begebenheiten stärker zu charakterisieren.
Nicht zuletzt das Streben nach einem musikalischen Ausdruck für den Empfindungs-gehalt des Textes macht Lechner zu einem der größten Chorkomponisten seiner Zeit.

 

Jerusalem
Text & Musik: Johannes Kerschner (*1973), Auftragswerk des Stiftes Melk 2004

Das Werk beschreibt in acht Szenen zentrale Ereignisse aus der Geschichte Jerusalems, zumeist anhand von Textstellen aus dem Alten und Neuen Testament. Diese Ereignisse machen die Stadt bis in die Gegenwart zum religiösen Zentrum des Judentums, Christentums und auch des Islam.

Jerusalem, die „geschützte“ Stadt, die „Stadt des Friedens“, das „himmlische Jerusalem“ als Vision erlebte wie ihrem Namen zum Hohn hingegen nur selten friedliche Zeiten. Zerstörung, Plünderung und Vertreibung – oft motiviert aus scheinbar religiösen Gründen – lassen die Bevölkerung bis in die Gegenwart leiden.

Das Menschenopfer, das Gott Abraham, dem „Stammvater“ der drei Weltreligionen als
Zeichen der Treue abverlangte, pervertiert sich in Selbstmordanschlägen der Gegenwart. Als „Gegenmodell“ dazu steht der friedliche Einzug Jesu in Jerusalem, die
darauf folgende Leidensgeschichte und die tröstenden Worte: „Ihr werdet weinen und
klagen, doch euer Kummer wird in Freude sich verwandeln. Denn ich werde euch
wiedersehn, dann wird euer Herz sich freuen“.

Diese überlieferten Worte Jesu stehen im Mittelpunkt des letzten Satzes, der mit dem
Wort Jerusalem in der Sprache der Religionen endet – „Salem“ als Wurzel des Wortes
„Shalom“. Die Musik drückt diese Inhalte in zeitgemäßer Tonsprache aus.